Blick über die Favela Vidigal auf den Atlantik und die Küste von Rio de Janeiro
Favela · Zona Sul · Rio de Janeiro

Favela Vidigal — Rios Balkon über dem Atlantik

Zwischen Leblon und São Conrado klebt eine der faszinierendsten Communities Rios am Steilhang des Dois Irmãos. Vidigal vereint spektakuläre Aussicht, gelebte Nachbarschaft und eine erstaunlich vielseitige Kultur- und Musikszene. Dieser Reiseführer erzählt, was du vor einem Besuch wirklich wissen solltest — respektvoll, praktisch und ohne Klischees.

Lage
Zona Sul, Rio de Janeiro
Bevölkerung
~ 12.000
Entstehung
1940er Jahre
Hausberg
Morro Dois Irmãos (533 m)

Wo liegt Vidigal?

Vidigal liegt an einer der spektakulärsten Adressen Rio de Janeiros: direkt am steilen Nordhang des Morro Dois Irmãos, zwischen den mondänen Stadtteilen Leblon im Osten und São Conrado im Westen. Der Zugang erfolgt über die kurvige Avenida Niemeyer, die sich am Atlantik entlangschlängelt und die Zona Sul mit der Barra da Tijuca verbindet.

Die Community erstreckt sich vertikal über mehrere hundert Höhenmeter — vom Küstenrand bis kurz unter die beiden Gipfel, die dem Berg seinen Namen geben. Diese Lage ist der Grund für das Merkmal, das Vidigal in ganz Rio bekannt gemacht hat: einen der freiesten Ausblicke der Stadt. Wer oben steht, sieht Ipanema, Leblon, die Lagoa Rodrigo de Freitas, die Silhouette von Corcovado und Pedra da Gávea sowie in klaren Nächten die Lichter des Corcovado-Christus.

Panorama über Vidigal Richtung Atlantik
Blick über Vidigal Richtung Ipanema und Atlantik. Platzhalter für eigenes Foto.
Karte

Vidigal, Zona Sul · Rio de Janeiro · Brasilien
Koordinaten: −22.995°, −43.233°
Platzhalter für interaktive Karte.

Interaktive Karte folgt in Kürze.

Besonderheiten der Lage

Vidigal ist eine der wenigen Favelas Rios, in der Meer, Berg und Stadt in einer einzigen Blickachse zusammenkommen. Die Community grenzt unmittelbar an den Parque Nacional da Tijuca, den größten urbanen Regenwald der Welt. Wer über den Hauptzugang hinauf zum Mirante do Arvrão läuft, spürt innerhalb weniger Minuten den Wechsel vom Verkehr der Küstenstraße zu einer erstaunlich ruhigen Berglandschaft mit tropischer Vegetation.

Die Geschichte von Vidigal

Entstehung in den 1940er Jahren

Vidigal entstand ab den späten 1940er Jahren, als Arbeiterfamilien — viele aus dem Nordosten Brasiliens und aus dem Landesinneren von Rio de Janeiro — den kaum bebauten Hang des Dois Irmãos besiedelten. Der Name geht auf den kolonialen Grundbesitzer Miguel Nunes Vidigal zurück, dessen Ländereien einst bis an diese Küste reichten. Wie bei vielen Favelas Rios begannen die ersten Häuser als einfache Holz- und Blechbauten und wichen später Ziegel- und Betonkonstruktionen, die sich Etage für Etage den Berg hinauf schoben.

Widerstand gegen die Zwangsräumung

Der entscheidende Moment für die Identität Vidigals fällt in die 1970er Jahre. Unter der Militärregierung sollte die Community geräumt werden, um dem Hangbereich für Hotelprojekte und Luxusbauten Platz zu machen. Die Bewohnerinnen und Bewohner organisierten sich, gründeten die Associação de Moradores und wandten sich unter anderem an die katholische Kirche und Menschenrechtsanwälte. Am Ende blieb Vidigal — als eine der wenigen Communities Rios, die eine staatliche Umsiedlung geschlossen abwehren konnte. Diese kollektive Erfahrung prägt bis heute das Selbstverständnis des Viertels.

Entwicklung und Wandel

Ab den 1990er Jahren geriet Vidigal — wie viele Favelas der Zona Sul — in eine schwierige Phase mit Drogenhandel und wiederkehrenden Konflikten. Mit der Einführung der Unidade de Polícia Pacificadora (UPP) im Jahr 2012 begann eine Phase der relativen Ruhe. Cafés, Bars, Hostels und kleine Studios öffneten. Bekannte Persönlichkeiten wie der Schauspieler David Beckham erwarben Häuser oben am Hang, was der Community internationale Sichtbarkeit brachte — aber auch neue Diskussionen über Gentrifizierung.

Bedeutung innerhalb Rios

Heute gilt Vidigal als Symbol dafür, wie eine Favela ihre Identität bewahren kann, obwohl ökonomische und touristische Kräfte auf sie einwirken. Der Ort ist Teil vieler Erzählungen über Rio: als Ausgangspunkt für den Dois Irmãos, als Bühne für internationale Musik-Kollaborationen, als Wohnort einer neuen Generation von Künstlerinnen und Kreativen. Wer die Geschichte weiter vertiefen möchte, findet Kontext im geplanten Beitrag zur Geschichte der Favelas.

Das Leben in Vidigal

Alltag am Hang

Der Alltag in Vidigal beginnt früh. Vor sieben Uhr morgens starten die ersten mototáxis an der praça am Fuß des Hügels, um Bewohnerinnen und Bewohner zur Arbeit an die Strände von Leblon und Ipanema oder in die Bürotürme des Centro zu bringen. Auf den engen Gassen — hier becos und vielas genannt — riecht es nach frisch aufgebrühtem Kaffee, an den Ecken werden pão de queijo und tapioca serviert.

Nachbarschaft und Gemeinschaft

Wer eine Weile in Vidigal ist, merkt schnell: Das Viertel funktioniert über persönliche Beziehungen. Kinder wachsen auf den Plätzen zwischen den Häusern auf, Nachbarn passen wechselseitig auf, viele Familien leben seit drei oder vier Generationen im selben beco. Die Nachbarschaftsvereinigung ist bis heute eine zentrale Instanz — sie vertritt Interessen gegenüber Stadtverwaltung, Versorgern und teilweise auch gegenüber Investoren.

Häuser am Hang von Vidigal
Häuser klettern den Hang hinauf.
Musik in Vidigal
Live-Musik gehört zum Wochenende dazu.
Sonnenuntergang oberhalb Vidigal
Abendstimmung über Ipanema und Leblon.

Kultur, Kunst und Musik

Vidigal hat eine ungewöhnlich dichte Kulturszene für seine Größe. Das legendäre Theaterprojekt Nós do Morro („Wir vom Hügel") gründete sich hier 1986 und brachte einen Teil des Casts des Films Cidade de Deus hervor. Bis heute arbeitet die Gruppe mit Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Amateuren und tourt regelmäßig durch Brasilien und Europa. Ergänzend prägen samba de raiz, chorinho und funk carioca das musikalische Bild — sowie eine wachsende Szene von batucada-Kollektiven, die auf den kleinen Plätzen proben.

Wer offen schaut, entdeckt an vielen Wänden Murals lokaler Streetart-Künstlerinnen und -Künstler. Sie erzählen von Alltagshelden, von der Geschichte der Community, von brasilianischen Musikikonen und afrobrasilianischen Gottheiten. Für einen tieferen Einstieg empfehlen wir den Beitrag zur Kultur der Favelas.

Gastronomie: von Boteco bis Rooftop

Gastronomisch ist Vidigal überraschend divers. Neben klassischen botequins mit gekühltem chopp und frittiertem bolinho de bacalhau haben sich in den letzten Jahren kleine Restaurants und Cafés etabliert, die zeitgenössische brasilianische Küche mit einfachen Preisen verbinden. Weiter unten in der Liste findest du konkrete Empfehlungen.

Sehenswürdigkeiten in Vidigal

Mirante do Arvrão

Der bekannteste Aussichtspunkt Vidigals liegt an der Rua Armando de Almeida Lima. Vom kleinen Restaurant-Balkon fällt der Blick fast senkrecht auf den Strand von Leblon, Ipanema und die Lagune. Bei Sonnenuntergang füllt sich die Plattform mit Reisenden und Nachbarn gleichermaßen — es lohnt sich, früh da zu sein.

Wanderung zum Morro Dois Irmãos

Die Wanderung auf den Morro Dois Irmãos ist eines der lohnendsten Erlebnisse Rios. Startpunkt ist die obere Kante von Vidigal, meist erreichbar per Kombi oder mototáxi. Der Weg selbst dauert je nach Tempo zwischen 45 und 90 Minuten pro Richtung. Oben angekommen wartet ein 360°-Panorama über die gesamte Zona Sul, Barra, Rocinha, den Corcovado und den Zuckerhut. Für die Wanderung gilt: festes Schuhwerk, Sonnenschutz, mindestens 1,5 Liter Wasser und früher Start.

Lokale Restaurants und die Bar da Laje

Die Bar da Laje gehört zu den ikonischsten Orten der Community: eine mehrstöckige Terrasse mit Pool und Blick über den Atlantik, an Wochenenden mit DJs und Livemusik. Etwas ruhiger geht es in kleineren botequins zu, in denen Bewohnerinnen und Bewohner selbst gerne essen.

Straßenkunst und Wandmalerei

Vidigal ist eine Freilichtgalerie. Besonders entlang der Hauptaufstiege lassen sich Arbeiten afrobrasilianischer Künstlerinnen und Künstler entdecken. Viele Motive greifen die Geschichte der Community auf — vom Widerstand gegen die Räumung bis zu Portraits verstorbener Musiker.

Kleine Kapellen und Plätze

Zwischen den Häusern finden sich immer wieder kleine Kapellen, Fußballfelder und Nachbarschaftsplätze — die eigentlichen Treffpunkte der Community. Wer respektvoll grüßt und Fotos nur mit Zustimmung macht, wird meist freundlich empfangen.

Sicherheit in Vidigal

Sicherheit ist das Thema, das deutschsprachige Reisende vor einem Favela-Besuch am meisten beschäftigt. Wir behandeln es hier sachlich. Vidigal ist eine bewohnte Community — kein Sperrgebiet und keine Freizeitkulisse. Wie in jeder Großstadtnachbarschaft gibt es Regeln, die vor Ort gelten und die Besucher respektieren sollten.

Welche Bereiche Touristen normalerweise besuchen

Der überwiegende Teil der touristischen Aktivität konzentriert sich auf den unteren Bereich Vidigals bis zum Mirante do Arvrão, entlang der Hauptstrecke der mototáxis und Kombis. Auch der Zustieg zur Dois-Irmãos-Wanderung ist üblich. Wer weiter in Seitengassen abbiegt, sollte das nur mit lokalem Kontext tun — nicht aus Angst, sondern aus Höflichkeit gegenüber den Bewohnerinnen und Bewohnern.

Verhaltensempfehlungen

  • Grüße die Menschen, denen du begegnest — ein freundliches „bom dia" oder „boa tarde" öffnet Türen.
  • Trage Wertgegenstände unauffällig und lasse teuren Schmuck oder große Kameras im Hotel.
  • Frage vor jedem Foto von Personen, Kindern oder privaten Häusern um Erlaubnis.
  • Achte auf Hinweise lokaler Guides oder Bewohner, welche Straßen aktuell besser gemieden werden.
  • Vermeide es, dich als „Beobachter" zu inszenieren — du bist Gast, nicht Journalist.

Tageszeiten

Der beste Zeitraum für einen Besuch ist Vormittag bis früher Abend. Bis Sonnenuntergang, insbesondere in den touristisch etablierten Bereichen wie dem Mirante do Arvrão und der Bar da Laje, herrscht meist reges Leben. Nach Einbruch der Dunkelheit gilt, wie überall in Rio: nicht allein und ohne Ortskenntnis unterwegs sein.

Fotografieren, Respekt und lokale Regeln

Fotografiere Menschen nur mit Zustimmung. Panoramaaufnahmen sind meist unproblematisch, Nahaufnahmen von Häusern, Kindern oder informellen Geschäften nicht. Manche Bereiche sind explizit nicht zum Fotografieren — Guides weisen darauf hin, dann gilt: Kamera runter, keine Handybilder, keine Diskussion.

Hinweis: Die Sicherheitslage in Rio de Janeiro kann sich kurzfristig ändern. Informiere dich vor einem Besuch über aktuelle lokale Hinweise, folge den Empfehlungen deiner Unterkunft oder deines Guides und beachte offizielle Reisewarnungen. Ein späterer Beitrag auf Inside Favela zur „Sicherheit in Rio" fasst laufende Entwicklungen zusammen.

Wie besucht man Vidigal?

Es gibt mehrere Wege, Vidigal zu erreichen — jeder mit Vor- und Nachteilen. Grundsätzlich beginnt nahezu jeder Besuch am Fuß des Hügels, an der Praça do Vidigal an der Avenida Niemeyer.

Zu Fuß

Direkt vom Strand von Leblon oder São Conrado erreichbar. Der Aufstieg selbst ist steil und in der Mittagshitze anstrengend — nur für gut trainierte Besucher zu empfehlen.

+ Kostenlos, viele Eindrücke unterwegs.
Anstrengend, in der Sonne wenig Schatten.
Mototáxi

Die schnellste und typischste Art, den Berg hinaufzukommen. Die Fahrer stehen an festen Punkten und tragen meist orangefarbene Warnwesten.

+ Schnell, günstig, authentisch.
Ohne Helm rechtlich nicht in Ordnung — freundlich einfordern.
Kombi (Sammel-Van)

Kleine weiße Vans fahren regelmäßig die Hauptstrecke hinauf und wieder herunter. Preis pro Person nur wenige Reais.

+ Sehr günstig, sicher, typisch für den Alltag der Community.
Voll, wenig Platz für Gepäck.
Mit Guide

Eine geführte Tour verbindet die Anreise mit Kontext, Übersetzung und Orientierung. Faire Anbieter kooperieren mit lokalen Bewohnern.

+ Meiste Einblicke, sichere Route, unterstützt Community.
Höhere Kosten als individuell.

Individuell oder mit Guide?

Wer bereits einige Tage in Rio verbracht hat und ein paar Sätze Portugiesisch spricht, kann Vidigal individuell erkunden — insbesondere die Wege bis zum Mirante do Arvrão und zur Bar da Laje. Für den ersten Kontakt mit einer Favela, für Familien mit Kindern oder für Reisende, die gezielt Geschichte, Kultur und Alltag verstehen möchten, empfehlen wir eine geführte Tour bei lokalen Anbietern.

Lohnt sich eine geführte Tour?

Eine geführte Tour lohnt sich vor allem dann, wenn du Vidigal nicht nur als Kulisse sehen, sondern als lebendige Community verstehen möchtest. Gute lokale Guides sind selbst Bewohnerinnen oder Bewohner. Sie erklären die Geschichte des Widerstands gegen die Räumung, führen zu Streetart-Projekten und Ateliers, zeigen kleine Kapellen und Nachbarschaftsprojekte und übersetzen Gespräche vor Ort.

Typische Vorteile einer guten Tour

  • Lokale Einblicke in Alltag, Nachbarschaft und Community-Politik.
  • Geschichte und Kontext, die man online oft nur oberflächlich findet.
  • Orientierung in einem Viertel ohne klassische Straßenschilder.
  • Direkte Unterstützung lokaler Guides, Cafés und Kulturprojekte.
  • Sprachbrücke zwischen deutschsprachigen Gästen und Bewohnern.

Achte bei der Auswahl darauf, dass Guides in oder eng mit der Community arbeiten und dass ein Teil des Preises transparent an lokale Projekte fließt. Reine „Sightseeing"-Angebote, bei denen Gruppen im Van durchgefahren werden, ohne mit Bewohnerinnen und Bewohnern zu sprechen, empfehlen wir nicht.

Hinweis

Geführte Touren durch Vidigal werden zukünftig direkt über Inside Favela vermittelt. Wir arbeiten aktuell mit lokalen Guides zusammen, um faire und respektvolle Angebote transparent buchbar zu machen. Sobald das System live ist, findest du hier den entsprechenden Buchungslink.

Restaurants & Cafés

Eine kleine, subjektive Auswahl von Adressen, die für Besucher gut zu finden und typisch für Vidigal sind:

  • Mirante do Arvrão — Rooftop-Restaurant mit dem berühmtesten Blick der Community. Cocktails am späten Nachmittag, brasilianische Küche in mittlerer Preisklasse.
  • Bar da Laje — Wochenend-Hotspot mit Pool, DJs und Livemusik. Ideal für einen langen Samstagnachmittag mit Musik und Meerblick.
  • Alto Vidigal — legendäre Musik- und Kulturbühne oben am Hang. Wechselnde Konzerte, internationales Publikum, oft afrobrasilianische Rhythmen.
  • Nachbarschafts-Botequins — kleine Bars entlang der Aufstiege, in denen Bewohner selbst gerne sitzen. Perfekt für gekühltes chopp, petiscos und ein Gespräch mit den Nachbarn.
  • Bäckereien und Padarias — für den frühen Kaffee, pão de queijo und pão na chapa. Fast jede Ecke hat ihre eigene Adresse.

Öffnungszeiten und Angebote können sich ändern. Frage im Zweifel deine Unterkunft oder deinen Guide nach den aktuellen Empfehlungen.

Aussichtspunkte

Vidigal ist ein einziger Aussichtspunkt. Vier Perspektiven sind besonders lohnend:

  • Mirante do Arvrão — der klassische Postkartenblick über Leblon, Ipanema und die Lagoa. Zum Sonnenuntergang besonders eindrucksvoll.
  • Gipfel des Morro Dois Irmãos — 360°-Panorama über die gesamte Zona Sul, Barra, Rocinha, Corcovado und Zuckerhut.
  • Rooftops entlang der Aufstiege — viele Hostels und Bars bieten Terrassen mit Meerblick, oft für einen kleinen Verzehrpreis nutzbar.
  • Bar da Laje — Terrasse mit Pool, direkt über der Küstenlinie.

Nachhaltiger Tourismus

Vidigal ist kein Museum. Jeder Besuch hat einen Effekt auf das Viertel — und du kannst mitentscheiden, ob dieser positiv ist.

  • Respektvoll auftreten: Grüße, frage vor Fotos, respektiere private Räume. Bewohner sind keine „Motive".
  • Lokale Unternehmen unterstützen: Iss in botequins vor Ort, kaufe Souvenirs direkt bei Kunsthandwerkerinnen und Künstlern, nutze mototáxis und Kombis der Community.
  • Müll vermeiden: Nimm eigene Trinkflaschen mit und nimm Verpackungen wieder mit herunter — die Müllabfuhr erreicht nicht jede Gasse.
  • Privatsphäre achten: Poste keine erkennbaren Fotos von Personen ohne Zustimmung, besonders nicht von Kindern.
  • Faire Anbieter wählen: Wähle Guides und Touren, die transparent mit der Community zusammenarbeiten und faire Löhne zahlen.

Praktische Informationen

Beste Besuchszeit
April bis Oktober (trockenere Monate, angenehmere Temperaturen). Die Sonne ist ganzjährig intensiv; früher Start empfohlen.
Empfohlene Dauer
Für einen ersten Eindruck 2 bis 3 Stunden. Mit Wanderung zum Dois Irmãos ein halber bis ganzer Tag.
Kleidung
Bequeme, feste Schuhe mit Profil. Kleidung, in der du dich nicht auffällig teuer fühlst. Sonnenhut und Sonnencreme.
Zahlungsmöglichkeiten
In vielen kleinen Läden wird ausschließlich Bargeld (Real, BRL) oder Pix akzeptiert. Wechselgeld möglichst passend mitbringen.
Internet und Handy
Mobiles Netz ist meist stabil, WLAN in Cafés und Hostels. Eine brasilianische SIM oder eSIM ist praktisch für mototáxi-Apps und Übersetzung.
Sprache
Portugiesisch. Englisch wird punktuell gesprochen, Deutsch selten. Ein paar Höflichkeitsfloskeln („bom dia", „obrigado/a", „com licença") werden sehr geschätzt.

Alle Angaben ohne Gewähr — Öffnungszeiten, Preise und lokale Empfehlungen können sich ändern. Bitte informiere dich vor Ort noch einmal über die aktuelle Situation.

Häufige Fragen

Ist Vidigal sicher für Touristen?
Vidigal gilt tagsüber und in den touristisch etablierten Bereichen (Mirante do Arvrão, Aufstieg zum Dois Irmãos, Bar da Laje) als vergleichsweise gut besuchbar. Die Sicherheitslage kann sich kurzfristig ändern — informiere dich vor dem Besuch bei deiner Unterkunft oder einem lokalen Guide.
Kann man Vidigal alleine besuchen?
Ja, insbesondere die Hauptaufstiege und bekannten Aussichtspunkte lassen sich individuell erkunden. Für einen ersten Kontakt mit einer Favela oder für tieferes Verständnis empfehlen wir eine geführte Tour mit lokalem Guide.
Was kostet ein Moto-Taxi in Vidigal?
Eine einfache Fahrt vom Fuß des Hügels bis in den oberen Bereich kostet meist zwischen 5 und 10 Reais. Preise können je nach Strecke und Tageszeit variieren; frage im Zweifel vor dem Einsteigen.
Wie kommt man am besten nach Vidigal?
Der klassische Weg führt über die Avenida Niemeyer zur Praça do Vidigal. Von dort geht es zu Fuß, per mototáxi oder mit einer Kombi (Sammel-Van) den Berg hinauf.
Lohnt sich eine geführte Tour durch Vidigal?
Wenn du Geschichte, Kultur und Alltag der Community wirklich verstehen möchtest — ja. Achte auf lokale Anbieter, die eng mit Bewohnerinnen und Bewohnern arbeiten und einen Teil der Einnahmen an Community-Projekte weitergeben.
Wie lange sollte man für einen Besuch einplanen?
Für einen ersten Eindruck reichen 2 bis 3 Stunden. Wer die Wanderung zum Morro Dois Irmãos anschließen möchte, sollte einen halben bis ganzen Tag einplanen.
Was zieht man am besten an?
Bequeme, feste Schuhe mit Profil und Kleidung, in der du dich unauffällig bewegen kannst. Sonnenhut, Sonnencreme und eine Wasserflasche sind ganzjährig sinnvoll.
Kann man mit Kreditkarte bezahlen?
In größeren Restaurants und einigen Bars ja. In den meisten kleinen Läden und bei mototáxis oder Kombis wird Bargeld (Real, BRL) oder Pix erwartet.
Darf ich in Vidigal fotografieren?
Landschaftsaufnahmen sind meist unproblematisch. Personen, Kinder und private Häuser bitte nur mit ausdrücklicher Zustimmung fotografieren. Wenn Guides oder Bewohner bitten, die Kamera wegzustecken, gilt das ohne Diskussion.
Wie schwer ist die Wanderung auf den Dois Irmãos?
Mittel. Der Aufstieg dauert je nach Tempo 45 bis 90 Minuten, es geht durchgehend bergauf, teils über Wurzeln und Fels. Feste Schuhe, früher Start, Sonnenschutz und ausreichend Wasser sind Pflicht.
Muss ich Portugiesisch sprechen?
Grundkenntnisse helfen sehr — die meisten Bewohner sprechen kein Deutsch, Englisch nur punktuell. Ein paar höfliche Sätze und eine Übersetzungs-App reichen oft aus.
Kann man in Vidigal übernachten?
Ja. Vidigal hat mehrere Hostels und Boutique-Unterkünfte, viele mit Panoramablick. Empfehlungen findest du bei etablierten Reiseportalen und zunehmend auch direkt bei lokalen Betreibern.
Gibt es einen Geldautomaten in Vidigal?
Innerhalb der Community gibt es nur sehr eingeschränkt Bankdienste. Bargeld hebst du am besten vorher in Leblon oder Ipanema ab.
Was tun bei einem Notfall?
Wähle in Brasilien die 190 (Polizei) oder 192 (Krankenwagen). Deine Unterkunft, dein Guide oder Nachbarn helfen im Ernstfall weiter. Bewahre die Adresse deiner Unterkunft griffbereit auf.
Wie unterscheidet sich Vidigal von Rocinha oder Santa Marta?
Rocinha ist mit über 100.000 Einwohnern deutlich größer und dichter. Santa Marta ist kompakter, bunter und stärker auf klassische Community-Touren ausgerichtet. Vidigal liegt dazwischen — überschaubar, mit besonders spektakulärer Aussicht und einer aktiven Kunst- und Musikszene.

Fazit

Vidigal ist eine der zugänglichsten und gleichzeitig charaktervollsten Communities Rios. Wer sich Zeit nimmt, respektvoll grüßt und die Wege nicht als „Aussichtsplattform mit Zaun", sondern als lebendige Nachbarschaft versteht, wird von diesem Viertel viel zurückbekommen: ehrliche Gastfreundschaft, eine der schönsten Aussichten Brasiliens, gute Musik, gutes Essen und ein Gefühl für die Vielschichtigkeit von Rio, das man von den Stränden aus nie erleben würde.

Ein Besuch der Favela Vidigal ist kein Abenteuertourismus. Er ist ein Stadtspaziergang — durch eine Nachbarschaft, die stolz ist auf ihre Geschichte, offen für Gäste und geübt darin, sich selbst zu erklären. Genau darum lohnt er sich.

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